Hobel mit Fase oben vs. Fase unten – eine Diskussion

Hobel mit der Fase unten („Bevel down“) vs. Hobel mit der Fase oben („Bevel up“)
 
In den vergangenen Jahren sind vermehrt die „Bevel up“ – Hobel aufgekommen. Das sind Hobel, bei denen die Fase des Hobeleisens nach oben gerichtet ist und die keinen Spanbrecher haben. Dies steht im Gegensatz zu den sehr verbreiteten („klassischen“) Hobeln mit der Fase unten („Bevel down“) und Spanbrecher.
Die beiden Hobeltypen lassen sich – stark vereinfacht – so darstellen: Bevel up
 Man erkennt, dass der Span – über die Fase geführt – geschnitten wird. Dies hat zur Folge, dass der Schnittwinkel – nur durch einen anderen Fasenwinkel – angepasst werden kann.
Bevel down 
Im Unterschied zum Bevel up Hobel gleitet der Span beim Bebel down Hobel über die Spiegelseite und den Spanbrecher (hier nicht abgebildet). Die Fase ist nach unten gerichtet und hat keinen (primären) Einfluss auf den Schnittwinkel. Dieser richtet sich (nur) nach dem Bettungswinkel.
Meist werden Bevel up – Hobel synonym mit den „Flachwinkel“ Hobeln verwendet. In diesem Zusammenhang sollte man jedoch im Hinterkopf behalten, dass das Eine („Bevel up“) nur mittelbar etwas mit dem Anderen („Flachwinkel“) zu tun hat.
  • Bevel up / – down: beschreibt (nur), ob die Fase des Hobeleisens nach oben (up) oder unten (down) gerichtet ist – und sagt noch nichts über den Schnittwinkel
  • Flachwinkel: beschreibt den Winkel, mit dem das Hobeleisen im Hobel liegt (z. B. 12 Grad beim Flachwinkler; bei einem Bevel down Hobel hat der Frosch meist 45 Grad)
 
Was spricht denn nun aber eigentlich für die eine- oder andere Bauart?
  Bevel up Bevel down
Anpassung Schnittwinkel Möglich durch geänderten Fasenwinkel am Hobeleisen durch Austausch des Eisens bzw. einen geänderten Anschliff einer Fase.=> schnell & einfach möglich Nur durch Austausch des „Frosches“ möglich (nur bei einigen wenigen Hobel machbar (z. B. Lie Nielsen) und auch nur mit fixen, vorgegebenen Bettungswinkeln)=> nicht bzw. nur aufwändig möglichIm Ergebnis benötigt man daher „mehrere“ Hobel.
Anpassung Spanbrecher Nicht notwendig, da nicht vorhanden Notwendig (sehr hilfreiche Tip’s hierzu sind in der Linksammlung zu finden)
Anpassung Hobelmaul Nur möglich, wenn der Hobel ein verstellbares Hobelmaul hat – d.h. nicht bei allen Hobeln möglich. Einstellung über die Justierung des Frosches möglich.
Verstellung der Spandicke Nicht während des Hobelvorganges möglich. Während des Hobelvorganges möglich.
Ratttern des Hobels Wird durch ein dickeres Hobeleisen entgegengewirkt (im Vergleich zu den Bevel down Hobeln) Wird durch den Spanbrecher entgegengewirkt.
Schleifbarkeit des Hobeleisens Das Hobeleisen muß dicker sein, als bei einem Hobel mit Spanbrecher. Dadurch bedingt ist die zu schleifende Fase größer.=> höherer SchleifaufwandAbhilfe: Mikrofase anschleifen Das Hobeleisen kann dünner sein. Die zu schleifende Fase ist daher kleiner=> geringerer Schleifaufwand
 
 
So. Da ist es nun, das Dilemma. Was sagt mir das jetzt? Da kommt die typische „Juristen Antwort“:
Das kommt darauf an.
Ich sag’s mal so. Selbst ein Garrett Hack bezeichnet zwei Bevel up Hobel als seine „Lieblingshobel“ (Lie Nielsen Nr. 164 & Nr. 60 1/2). Er verwendet aber auch – sehr viele – Bevel down Hobel. Insbesondere verputzt er meist mit einem Bevel down Hobel (Nr. 4 – sehr gerne in Norris Bauart).
 
Für mich gesprochen, kann ich sagen, dass ich mir mit den Bevel up Hobeln am Anfang – deutlich – leichter getan habe. Dies schon allein aus dem Grund, dass das Thema „Spanbrecher“ mit den damit zusammenhängenden Themen entfällt (große, plane Spiegelseite & wie stelle ich ihn „richtig“ ein?). Ich nutze die schnelle & einfache Möglichkeit, den Schnittwinkel durch den Austausch des Hobeleisens gerne & oft. Meine Hobel „rattern“ nicht – das mag aber auch daran liegen, dass ich mich für Lie Nielsen entschieden habe, die sehr gute Hobel bauen (… und sich das auch bezahlen lassen). Dagegen reizt mich die Möglichkeit, die Spandicke auch während des Hobelns verstellen zu können immer mehr…
 
Von der „Hobelgüte“ her sehe ich – im Ergebnis – keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Hobeltypen. Beide können so eingestellt & justiert werden, dass selbst schwierigste Hölzer und Faserverläufe gemeistert werden können. Das setzt aber voraus, dass die Eigenarten & unterschiedlichen Funktionsweisen der Hobeltypen bekannt sind. Ich habe mir da anfangs durchaus schwer getan und mußte mich da erst ran tasten.
Ich möchte folgendes Fazit ziehen:
Derjenige, der mit dem Hobeln anfängt, wird mit einem „Bevel up“ Hobel sehr vieles richtig machen – falsch liegt er damit jedenfalls sicher nicht. Mit 1 – 2 Ersatzeisen für diesen Hobel kann dann schon sehr viel erreicht werden. Die Hobelarmada kommt dann unweigerlich von ganz allein, wenn man mit dem Hobelvirus infiziert ist J. Bei mir war es so, dass ich mir im ersten Schritt die klassischen Bevel down Hobel gekauft habe (damals jedoch sehr günstige). Mit denen bin ich nicht sonderlich gut zurecht gekommen und habe fast nichts / gar nichts gehobelt. Es ging schlicht nicht. Das wurde – schlagartig – besser, als ich mir dann einen Bevel up Hobel gekauft habe („das muss doch irgendwie gehen; die anderen bekommen das doch auch hin“). Und da war er dann – der Hobelvirus.
Noch zwei Gedanken in diesem Zusammenhang:
  • Daumenregel für den Schnittwinkel: Je schwieriger, ausrissgefährdeter oder härter ein Holz ist, desto größer sollte der Schnittwinkel werden.
  • Ein Schnittwinkel von z. B. 45 Grad kann mit beiden Hobeln erreicht werden.
  • Bevel up Hobel:
    • Bettungswinkel:  12 Grad
    • Fasenwinkel:     33 Grad
    • Schnittwinkel:   45 Grad
 
  • Bevel down Hobel: Bettungswinkel = Schnittwinkel (d.h. der Fasenwinkel spielt hier keine Rolle!)
    • Standard:                45 Grad
    • Sonder Frosch:  50 Grad
    • Sonder Frosch:   55 Grad
 
 
Bei mir haben sich folgende Schnittwinkel bewährt:
    • Standard (weiches Holz): 45 Grad
    • Schwieriges / hartes Holz: 60 Grad
    • Wenn man möchte, kann noch ein Zwischenwinkel zur Hilfe gezogen werden: 55 Grad
 
Man merkt schnell, dass das Hobeln umso anstrengender wird, je steiler der Winkel wird. Die Oberfläche wird „besser“, je flacher der Winkel ist. Es ist die Kunst beim Hobeln, diesen Zielkonflikt zufriedenstellend zu lösen. Jedes mal aufs Neue.
Friedrich hat mir zu der oben aufgeworfenen Frage, ob es dann nicht „egal“ sei, mit welchem Winkel ein Hobeleisen in einem „Fase unten“ – Hobel angeschliffen ist, folgenden Tip gegeben, den ich hier gerne weitergeben möchte:
„Der Winkel, in dem die Fase (oder die kleine Mikrofase an der Schneide, je nach Schärfmethode) geschliffen wird, hat beim Hobel mit Fase unten sicher nur wenig Enfluss auf das Betriebsverhalten (nicht wie bei Fase oben). Ist ja Freifläche und hängt sozusagen in der Luft.
Man braucht einen Freiwinkel von etwa 10 Grad, weil das Holz nach dem Schnitt zurückfedert, Wenn man sehr viel kleiner wird, reibt das Holz an der Freifläche, das ist sichtbar.
Die 25° mit denen Hobeleisen geliefert werden, sind eigentlich unbrauchbar (zu empfindlich). Ich schärfe mit 25° geschliffen und 30° Mikrofase, zusätzlich eine 2. Fase an der Spiegelseite von 5°, da habe ich 35° Keilwinkel, das hält normalerweise schon gut. Für strapaziösere Arbeiten habe ich Eisen mit Fase / Mikrofase 30 /35°, 2. Fase bleibt bei 5°. Dann habe ich 10° Freiwinkel und Keilwinkel 40° an der Schneide, die wird so schon sehr robust, braucht aber etwas mehr Kraft.
Sicher braucht man keinen Spanbrecher, wenn die Spanfläche steil genug steht, der Hobel mit Fase oben beweist es. Und ein enges Maul hilft auch. Ich habe bei meinen Flachwinklern bis zu 62° Schnittwinkel (Mikrofase 50° zur Spiegelseite), damit geht alles, aber man muss schieben wie ein Bär.“
Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an Friedrich.
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