Ein Wort über den Hobel

Der Einhandhobel ist die Einstiegsdroge.
 
Ok. Der Satz ist ein wenig abgewandelt („eine 50-er ist die Einstiegsdroge zum Motorradfahren“) – stimmt aber trotzdem. Bei mir ging die Leidenschaft für das Hobeln mit Hand auch mit einem Einhandhobel los. Aber.
 
Warum eigentlich mit der Hand hobeln?
 
Diese Frage habe ich mir am Anfang auch gestellt. Lange. Bis ich dann – nach langen Stunden beim Schleifen – endlich ein Eisen hatte, das „wirklich“ scharf war. Ab dem Zeitpunkt war ich gefangen. Gefangen von der Güte der Oberfläche und dem erhebenden Gefühl, „das ohne Maschine hinbekommen zu haben“.
 
Nun hängen an dem Thema aber einige Fragen, die zunächst beantwortet werden wollen. Bei mir hat sich das Ganze entwickelt:
 
  • Welche Art Hobel?
Um das beantworten zu können, muß man sich erst einmal fragen, wie man arbeiten möchte und vor allem, was man arbeiten möchte. Jemand, der nur Spanplatten bearbeiten möchte, um daraus einen Schrank zu bauen wird wenig / keinen Hobel brauchen. Bei der Massivholzbearbeitung wird man früher oder später aber um diese Frage nicht herumkommen.
 
  • Holz oder Metall: Geschmacksache
Vom Ergebnis her an sich egal. Ich habe mich für Metall entschieden.
Nachteil ist, dass man das Thema „Rost“ nicht vernachlässigen darf. Mit einem öligen Lappen (z. B. Kamilienöl) neben den Hobeln griffbereit läßt sich das Ganze aber mit vertretbaren Aufwand in den Griff bekommen. Nach Gebrauch einmal damit drüber und „gut is“.
Der Vorteil ist aber die nachhaltigere Passgenauigkeit (z. B. der Sohle). Vor allem bedingt durch die größere Härte des Metalls gegenüber dem mehr oder weniger harten Holz. Das zusätzliche Gewicht gegenüber Holz ist nicht zu unterschätzen. Das bringt sehr viel „Ruhe“ in den Hobelvorgang. Bei mir war letztendlich entscheidend, dass sich ein Metallhobel mit dem Einstellrad – für mich – leichter einstellen läßt als ein Holzhobel, bei dem mit sanften Hammerschlägen gearbeitet wird. Aber. Alles Geschmackssache.
 
  • Einhandhobel: sinnvoll
Vor allem für kleinere Arbeiten sehr hilfreich. Ein „immer dabei“ Teil.
  • Kantenbearbeitung
  • Herrichten kleinerer Flächen
 
  • Simshobel: sinnvoll
Sehr vielseitig. Hier gibt’s unterschiedliche Größen. Welche die richtige ist, hängt von der konkreten Anforderung ab.
  • Zapfen / Zapfenschultern herrichten
  • Falz anbringen
 
  • Putzhobel: sinnvoll
Da geht’s schon los. Das Problem. Was ist das eigentlich, ein Putzhobel? Im Grunde genommen kann nahezu jeder Hobel als Putzhobel hergerichtet werden. Letztendlich kommt es nämlich darauf an, wie das Eisen hergerichtet worden ist (nämlich mit „leicht“ abgeschliffenen Kanten, um diese lästigen & unvermeidlichen Hobelspuren in der Fläche zu vermeiden). Klassischer Weise ist das ein No. 4. Ich habe aber auch schon mit einer 7 ½ verputzt oder auch mit dem Einhandhobel – „das kommt darauf an“. Worauf. Das hängt von vielem ab. Dem Holz, welche Eisen gerade schärfer sind, Faserverlauf, Platz, den man hat, um mit dem Hobel zu arbeiten (also am Werkstück) usw….
 
  • Rest: liegt an jedem selbst…
So schön die Hobel auf der einen Seite sind. So lästig ist deren zum Teil sehr eingeschränkte Anwendungsbereich. Meist sind es „Spezialhobel“, die genau eine Anwendung richtig können. Einmal in das Thema Hobel eingestiegen, kommt man aber nur mehr oder weniger gut daran vorbei.
 
 
  • Welche Hobel kann & will ich mir leisten?
Auch da habe ich einen Weg hinter mir.
 
  • Günstigen „China“ – Hobel
Das war mein erster Hobel. Der Einhandhobel ging für wenig Geld her.
  • Ausgepackt. Erster Eindruck. Wow!
  • Das erste mal gehobelt. Wow, geht das gut!
  • Angefangen, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Ach so geht das bei den anderen Hobeln… Beispiel Winkligkeit der Flanken zur Hobelsohle.
 
Heute habe ich bis auf den ersten China Hobel (den hat jetzt mein 5 jähriger Sohn) keinen mehr. Ich habe sie alle mit großem Verlust verkauft.
 
  • „Richtigen“ – Hobel / z. B. Veritas Liga
Das sind Hobel, bei denen man von „richtigen Hobeln“ sprechen kann. Da stimmt die Verarbeitung & das Ergebnis. Gerade Veritas baut sehr gute Hobel. Vom Design her sehr innovativ und bemüht, Tradition mit der Moderne zu verbinden. Immer wieder sehr interessante Ideen. Reizvoll.
 
Ich habe lange mit den Veritas Hobeln gearbeitet und hatte einige von ihnen. Stand heute habe ich keinen mehr. Ich habe sie alle mit geringem Verlust verkauft.
 
  • „Luxus“ – Hobel / z. B. Lie Nielsen Liga
Ob das Luxus ist – keine Ahnung. Wahrscheinlich schon, wenn man bedenkt, dass so ein Teil schnell mal 300 € bis 500 € kostet. Im Grunde macht der auch „nichts anders als ein Veritas“. Richtig. Mir kommt da immer der Vergleich Mercedes vs. BMW oder Audi in den Sinn. Hey! Die bauen alle gute Autos. Ich bin überzeugt, hier ist das genauso.
 
Ich bin nun aber fast vollständig auf Lie Nielsen umgestiegen – und fühle mich sehr wohl damit.
 
Warum? Da ist sehr viel „Gefühl“ mit dabei.
  • das Design der Hobel gefällt mir besser, als das der Veritas
  • die Eisen halten die Schärfe „gefühlt“ länger, als die der Veritas (wobei ich keine Erfahrung mit dem viel gelobten PM-V11 Stahl habe)
  • die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben; die Zeit, die ich mir spare, ein Hobeleisen zu planen wiegt die Mehrkosten gegenüber einem Hobel, in den ich noch viel Arbeit stecken muß, in meinen Augen um Längen auf. Schleifen nervt.
 
Ich für meinen Teil spare lieber noch, um mir einen Hobel zu kaufen, als mich weiter zu ärgern.
 
Lieber weniger Werkzeug, aber dafür qualitativ sehr gutes.
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